Düsseldorf, 9. Mai 2008, www.ne-na.de - Die Zukunft der Arbeit ist mobil. Mit der zunehmenden Konvergenz, dem Zusammenwachsen von Festnetz, Internet, Mobilfunk und Medien lösen sich die bisherigen Marktgrenzen auf, neue inhaltliche Angebote können über ein einziges Endgerät genutzt werden – unabhängig von der Plattform und der Technologie. Arbeitseffizienz wird dann nicht mehr von der Anwesenheit in einem Büro abhängig sein. Die Zahl mobiler Unternehmensmitarbeiter wird vom Marktforschungsunternehmen IDC für 2009 auf 850 Millionen beziffert. Technisch ist für sie immer mehr möglich, allein an der Akzeptanz hapert es bisweilen, wenn Mobile Business auch Früchte tragen soll. „Das Telefonieren ist die einzige Business-Anwendung im mobilen Bereich, die sich bis heute konstant durchsetzt. Es gibt natürlich die Nutzung der E-Mail-Anwendungen aber auf einem sehr niedrigen Niveau“, sagte Omar Khorshed, Vorstandschef der Düsseldorfer acoreus AG, bei einem Expertengespräch über die Zukunft des Mobile Business. Dabei sei die Menge an verschiedenen Möglichkeiten des so genannten Mobile Business enorm. Hemmschuh Nummer eins waren lange Zeit hohe Datentarife. Deren Beseitigung dürften nun zu einer stärkeren sowie sorgloseren Nutzung mobiler Dienste führen. Aber: „Die Killerapplikation im Businessbereich bleibt erst mal die E-Mail. Darüber hinaus darf man nicht in großen Dimensionen denken, sondern in kleinen Schritten, in Nischen“, erklärte Khorshed.
Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Experton Group hat immerhin herausgefunden, dass mobile Arbeiter täglich rund 100 Nachrichten an bis zu sieben verschiedenen Orten empfangen. Entscheidend sei, so IT-Experte Ralf Sürtenich, in welcher Form ein Unternehmen vom Einsatz mobiler Lösungen profitiere, nachdem „einige Jahre lang die Entwicklungen in der Telekommunikation immer unter dem Gesichtspunkt der Kostenreduktion beleuchtet wurde.“ Mittlerweile kristallisiere sich die Kernfrage bei den Nutzern heraus, in welchem Maß sie darüber hinaus profitieren könnten, gerade wenn es um Konvergenz gehe. „Anywhere at any time“ skizziert Sürtenich seine Lesart von Mobile Business. „Mobile Business ist die Losgelöstheit des Anwenders von seinem Standort und von den technischen Möglichkeiten, die ihm der Standort bietet. Er kann auf die gleichen Medien zugreifen, sie bearbeiten, Information steuern, mit Lieferanten und Kunden kommunizieren.“
Bernhard Steimel sieht das Thema Mobile Business, Konvergenz und Unified Communication „beim Kunden noch gar nicht angekommen.“ Der Geschäftsführer von Mind Business Consultants und Sprecher der Voice Days hält eine intensive Marktkommunikation für notwendig, so dass man dem Mittelstand vermittelt, „wo die Benefits sind.“ Erst wenn der Anwender einen klaren Nutzen erkenne, werde er investieren“, meint Steimel, der an das Beispiel DSL erinnerte. „Da gibt es bestimmt auch eine Reihe von Diensten, die interessant sind, beispielsweise Notification Services, mit denen man exklusiv auf einen Ausverkauf aufmerksam machen und noch eine virtuelle Rabattmarke mitschicken kann. So kann Mobile Business im Kundenservice aussehen“, so der Autor der Studie „Praxisleitfaden Mobile Marketing“. Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen nutzten mobile Transaktionsdienste ebenso wie Mobile Advertising und Mobile Direct Response Service mit großem Erfolg. Für Medienhäuser und Entertainment-Anbieter diene das mobile Medium als Absatzkanal, zur Reichweitenverlängerung und Generierung von Werbeeinnahmen.
Hindernisse bei der
Verbreitung von Mobile Business Angeboten sieht Omar
Khorshed vor allem auf Seiten der Mobilfunkanbieter, die
zu lange einseitig versucht haben, Angebote zu etablieren,
ohne tatsächlich auf Kundenbedürfnisse einzugehen. Daher
fordert er, die Netze zu öffnen, dann werde es einen
Ideenwettbewerb mit neuen mobilen Angeboten geben. In
Zukunft würden diverseste Plattformbetreiber dabei Geld
verdienen können. „Ob das jetzt eine technische
Plattform ist, eine kommerzielle Plattform oder eine Marke
in Vertriebsplattform, das sind diejenigen, die Geld
verdienen werden.“ Somit erhielten auch mehr
mittelständische Unternehmen die Möglichkeit, sich hier
erfolgreich zu engagieren. Steimel erwartet, dass es in
erster Linie die Medienhäuser und Internetgiganten sein
werden, die hier punkten und erfolgreiche Services
anbieten werden. Das führt nach Ansicht von Andreas
Dippelhofer, Mitglied der acoreus-Geschäftsleitung, die
Netzbetreiber zu starkem Umdenken, weil die
Unternehmensstrategie sich dahingehend ändern werde, dass
sie Plattformbetreiber würden. Ein Netzbetreiber werde
„Dienstleister, der Zugang zu Endkunden bereitstellt
für andere, die Inhalte transportiert wissen wollen.“
Gleichwohl müsse eine solche Plattform Mehrwert bieten,
so wie es bei Google der Fall sei. Gleichzeitig müsse sie
Neutralität und Interessen der Nutzer wahren. Dippelhofer
machte einen weiteren Trend im Mobile Business aus:
„Local statt global. Durch die Möglichkeit der
Differenzierung auf lokalisierte Dienste, auf geografische
Nähe, wird es die Möglichkeit geben, neue Mehrwerte zu
schaffen. Denn die Kunden interessieren sich immer noch am
meisten für das, was in ihrer direkten Umgebung
passiert.“ Insgesamt erwarten die Experten aus dem
Bereich des Endverbrauchers mehr Inspiration als aus dem
Business-Segment, weil dort oft individuelle Lösungen
gefragt seien, „stark an der unmittelbaren
Problemlösung des Kunden orientiert“, betonte
Steimel.
Eine wichtige Rolle für die Kundenbindung kommt nach
Ansicht der Expertenrunde den virtuellen
Mobilfunkanbietern (Mobile Virtual Network Operator/MVNO)
zu, insbesondere als Unterstützung von Marketing- und
Vertriebsmaßnahmen. Wer hier geschickt handelt, kann
offensichtlich Vorteile in einem wachsenden Markt
erzielen. Ein MVNO sei schließlich nichts anderes als
eine Plattform, so Khorshed, „keine technische, sondern
eine kommerzielle Plattform für bestimmte Kundensegmente.
Unternehmen überlegen sich, was sie ihren Kunden darüber
anbieten, wie sie eine Community aufbauen können“, so
der acoreus-Vorstand. Außerdem: „Wir werden
produktdifferenzierende MVNO’s sehen, die viel stärker
das Thema Datenkommunikation in den Vordergrund stellen
als den Preiskampf bei Sprache und SMS“, ergänzte
Dippelhofer. Im vergangenen Jahr hatten eine Reihe von
Billiganbietern den Einstieg in den MVNO-Markt gewagt,
denen nach Expertenmeinung weitere auch aus dem
Premiumsegment folgen könnten. Medienunternehmen,
Fernsehsender oder Fußballclubs könnten ihre Kunden mit
zielgruppenspezifischen Themen und Diensten erfolgreich
bedienen. Acoreus etwa hat erst vor einigen Wochen ein
Angebot für Fußball-Bundesligist 1. FC Nürnberg
realisiert. Unter dem Motto „Dein Handy wird Cluberer“
können Clubmitglieder in ihrem eigenen Mobilfunknetz
unbegrenzt kostenlos telefonieren. Zusätzlich gibt es
exklusive Club-Informationen per SMS.



