Berlin/Frankfurt, 03. August 2010 - Lebensmittel über
das Internet bestellen – eine seltsam anmutende Idee.
Jedwede Sinnlichkeit scheint ausgeschaltet: Man kann die
Produkte weder riechen noch anfassen. Dennoch liegt hier
ein enormes Marktpotential verborgen, welches Unternehmen
langsam zu erobern beginnen. Laut einem Bericht der Zeit
geben die Deutschen rund 150 Milliarden Euro pro Jahr für
Lebensmittel aus. Und lediglich 0,5 Prozent entfallen
dabei auf Internet-Bestellungen – bislang.
Seit letztem Monat bietet Amazon neben CDs und Büchern
auch Lebensmittel an. In Frankfurt und Berlin liefert das
elektronische Versandhaus noch am selben Abend, sofern die
Bestellung bis 11 Uhr eingegangen ist. Ebenso prüft Otto,
das weltweit größte Versandhandelsunternehmen, derzeit
den Einstieg in den Internetverkauf. In einem Gespräch
mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagt Hans-Otto
Schrader, Vorstandchef von Otto: „ Wir machen es nur,
wenn wir einen leistungsstarken Händler finden, über die
die Kunden dann beliefert werden. Insbesondere wenn man
auch Frischeprodukte verkaufen will, kann man nicht auf
ein Zentrallager zurückgreifen“. Anders als beim ersten
Versuch von rund 10 Jahren würde das Unternehmen bei
diesem Versuch nicht mehr mit einer zentralen, sondern
einer dezentralen Logistik agieren.
Fast jeder deutsche Lebensmittelverbraucher erreicht den nächsten Lebensmittelladen in wenigen Minuten. Warum also bestellen? Gründe zum Scheitern und zum Erfolg halten sich die Waage: Ein Blog-Schreiber erklärt: „Gerade beim Essen einkaufen will ich die Sachen vor mir sehen und mich nicht auf Produktbilder verlassen“, ein Anderer schreibt: „Vom Joghurt bis zur Konserve, ich würde fast alles bestellen. Einkaufen ist für mich der schlimmste Freizeitkiller überhaupt“. Der Online-Händler Gourmondo berichtet in einer Presse-Erklärung von positiven Ergebnissen des ersten Geschäftsjahres: „Der Versand von frischem Premium-Fleisch erweis sich bereits im ersten Jahr als sehr erfolgreich: knapp 4,3 Tonne lieferte gourmondo.de mit Hilfe einer speziellen Kühlverpackung an seine Kunden aus. Über 60 Sorten Fleisch aus aller Welt werden auf 4° Celsius gekühlt und per DHL-Paket verschickt“.
Und wie sieht es eigentlich mit den Lebensmittelkontrollen bei Frischwaren aus dem Internet aus? Dieses Thema wird von den Vertretern der europäischen Lebensmittelkontrolle seit längerem diskutiert. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) schlägt eine zentrale Koordinierungsstelle für Deutschland vor. Deren Aufgabe soll es sein, die Anbieter von Lebensmitteln im Internet zu ermitteln und den Kontrollbehörden der Bundesländer bekannt zu machen. Zudem soll die Zentralstelle Lebensmittel aufspüren, die die Gesundheit der Verbraucher gefährden oder die Verbraucher täuschen. Das Konzept soll noch im Laufe des Jahres in der Praxis getestet werden.
Doch muss es nicht immer direkt die Online-Bestellung sein. Denn digitale Technologien erschließen auch innerhalb eines Supermarktes ganz neue Möglichkeiten. Auf PC-Waagen der neuesten Generation an Bedientheken beispielsweise erscheinen in Zukunft nicht nur Bilder, Videos und Produktinformationen, sondern auch ein QR-Code. Der Waagenhersteller Bizerba und das Online-Portal Mynetfair haben sich das zusammen ausgedacht. Matthias Harsch, Sprecher der Geschäftsführung, erläutert in einem Bericht von Welt-online: „Während des Verkaufs kann auf den Waagendisplays beispielsweise zum Fisch ein passender Rotwein empfohlen werden. Scannt der Kunde den zugehörigen Code ein, so wird er direkt auf die Website von mynetfair weitergeleitet und erhält dort Detailinformationen zum jeweiligen Artikel oder zu weiteren, passenden Weißweinarten“. Inzwischen sind Informationen zu mehr als 540.000 Artikeln in der Produktdatenbank von Mynetfair online.
Alle Prognosen deuten darauf hin, dass der Internet-Boom und der damit verbundene Multi-Channel-Trend ungebrochen weiter gehen und auf absehbare Zeit anhalten werden. Vorsichtige Schätzung gehen davon aus, dass sich die Einzelhandelsumsätze im Internet bis 2015 mindestens verdoppeln werden, so die Autorin Gerrit Heinemann in ihrem Buch „Multi-Channel-Handel“.
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